Nachhaltige Geldanlagen / Green Finance

veröffentlicht am 19. Dezember 2019 | Kategorie: Allgemein

Nachhaltige Geldanlagen / Green Finance

In den vergangenen Jahren hat das Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz deutlich zugenommen und sich immer weiter zu einem der wichtigsten gesellschaftlichen Themen entwickelt.
Der Klimawandel und Umweltthemen sind in aller Munde: Erderwärmung, Plastikmüll in den Weltmeeren, Abholzung der Tropenwälder, Rückgang der Artenvielfalt, eine wachsende Weltbevölkerung, die „Fridays for future“-Bewegung uvm.

Rückblick

UN-Agenda 2030
Im September 2015 hat die UNO den sogenannten „Weltzukunftsvertrag“ verabschiedet und 17 globale Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) definiert.

Das Pariser Klimaabkommen
… wurde in Nachfolge des Kyotoprotokolls im Dezember 2015 auf der UN-Klimakonferenz als rechtsverbindlicher Vertrag von 197 Vertragsparteien beschlossen, um den Klimawandel zu bremsen und seine Auswirkungen abzufedern (Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter 2°C).

Was hat das Ganze mit Finanzprodukten zu tun?
Wer sich mit Finanzprodukten befasst, kennt wahrscheinlich das „Magische Dreieck“, das die Zusammenhänge zwischen Sicherheit, Liquidität und Rentabilität darstellt. Nachhaltige Geldanlagen ergänzen diese klassischen Eckpunkte des Dreiecks um ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance), also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

Beispiele

Umwelt: z.B. sparsamer Umgang mit Ressourcen, Nutzung regenerativer Energien, Umweltmanagement und Schutz von Ökosystemen.  
Soziales: z.B. Bekämpfung von Armut und Hunger, Achtung von Menschenrechten, Sicherheit und Gesundheit.
Unternehmensführung: Gleichstellung der Geschlechter, faire Arbeits- und Sozialstandards,  verantwortungsvoller Umgang mit Mitarbeitern, gutes Unternehmensverhalten z.B. bei Rechtsfällen oder Umweltunfällen.

Wie verbreitet sind Nachhaltige Geldanlagen?
Eine aktuelle Umfrage des Bankenverbandes zeigt, dass Nachhaltige Geldanlagen in der Bevölkerung noch recht wenig bekannt und kaum verbreitet sind.
Nur 1/3 der Befragten hat nach eigenen Angaben den Begriff schon einmal gehört, noch weniger wissen tatsächlich, was darunter zu verstehen ist. Während die Nachfrage nach Green Investments von institutionellen Anlegern stetig steigt (allein in 2018 um 30%) liegt der Anteil der Privatanleger noch bei unter 10%!

Problem: Fehlende einheitliche Standards
Eine einheitliche Definition zu Nachhaltigen Geldanlagen gibt es noch nicht.
Bisher müssen sich Anleger bei der Geldanlage genau informieren, welche Klimaschutz- und Nachhaltigkeitskriterien angewendet werden, um beurteilen zu können, ob die Kriterien dem eigenen Verständnis von Nachhaltigkeit entsprechen.

Wie werden nachhaltige Unternehmen bzw. Investmentfonds herausgefiltert?

Beispielhafter Auswahlprozess:

1.) Ausschlusskriterien
– Rüstung und Waffen
– Atomenergie und fossile Energieträger (Öl, Kohle, Gas)
– Kinderarbeit
– Genverändertes Saatgut
– Unternehmen, die gegen Menschenrechte, grundlegende Arbeitsrechte und/oder soziale Mindeststandards verstoßen.
– Unternehmen mit eklatanten Vorfällen in Bezug auf Bestechung, Korruption oder Umweltzerstörung.

2.) Positivkriterien
Investition in Unternehmen/Branchen,
– bei denen der Umsatz/Gewinn größtenteils aus dem Bereich „Erneuerbare Energien“ erwirtschaftet wird.
– mit strengen Recycling-Vorschriften bzw. vorbildlichem Nachhaltigkeitsbericht.

3.) Best-in-Class-Konzept
Die Klassenbesten setzen neue Standards – es werden Unternehmen/Branchen ausgewählt, die in diesem Bereich besonders umweltfreundlich und sozialverträglich sind.

4.) Einflussnahme auf Unternehmen
Aktionäre und Großanleger wie Investmentgesellschaften nutzen ihre Stimm- und Mitspracherechte, um positiven Einfluss auf die Umwelt- und Sozialstandards auszuüben.

Verbesserungen in Sicht
Zur Vermeidung von „Greenwashing“ (wenn sich Unternehmen als besonders umweltbewusst und umweltfreundlich darstellen, ohne dass „viel dahinter steckt“) werden zur Zeit auf EU-Ebene konkrete Vorgaben zur „Taxonomie“, also zur genauen Definition Nachhaltiger Geldanlagen, zu speziellen Nachhaltigkeitskriterien und den notwendigen Transparenzanforderungen ausgearbeitet. Ab dem 4. Oktober 2020 werden diese EU-weit geltenden Standards dem Thema Nachhaltigkeit als Anlagetrend weiteren Schub verleihen. Künftig müssen Verbraucher (Privatanleger) zu ihren Nachhaltigkeitspräferenzen im Rahmen von Anlagegesprächen befragt werden.

Hoher Beratungsbedarf
Aktuell besteht ein hoher Bedarf an Aufklärung und Beratung zu Finanzprodukten. Anleger erklären ihre bisherige Zurückhaltung mit Wissenslücken, mangelnder Erfahrung und der Erwartung geringer Renditen.
Grundsätzlich gilt, dass Privatanleger – wie bei allen Anlagen – auch die Risiken ihres Investments kennen und das Produkt verstehen sollen, damit sie eine fundierte und eigenständige Entscheidung treffen können. Die Frage, ob ein nachhaltiges Investment in puncto Risiko und Liquidität für den Anleger passend ist, wird im Rahmen einer persönlichen Anlageberatung geklärt.

Nachhaltigkeit bei unserer Sparkasse Rhein-Nahe
Unsere Sparkasse ist sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Das Thema Nachhaltigkeit bildet seit vielen Jahren einen integralen Bestandteil der Unternehmenskultur und Geschäftspolitik. So hilft beispielsweise die Optimierung der Gebäudetechnik und der IT-Hardware dabei, den Energieverbrauch deutlich zu verringern. Durch Nutzung moderner Kommunikation konnte zudem der Papierverbrauch und die Anzahl von Autofahrten reduziert werden. In der Anlageberatung verfügen wir über Finanzprodukte, die strenge Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

 

Klaus Scherer
Wertpapier- & Portfoliomanagement

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