Europa, der Euro und „Störenfried“ Großbritannien

Veröffentlicht am 31. Oktober 2019 um 13:46 Uhr | Kategorie: Veranstaltungen

Europa, der Euro und „Störenfried“ Großbritannien

Klaus von Dohnanyi spricht bei Auftaktveranstaltung von „S Köpfe“

Kraftvoll, energisch und mit klaren Positionen: Klaus von Dohnanyi merkte man seine 91 Jahre nicht an, als er beim Auftakt unserer neuen Vortragsreihe „S Köpfe“ ans Rednerpult trat. 80 geladene Gäste folgten im S Finanz Forum gebannt seinem Vortrag „Europa und Euro – Was war gewollt und was ist daraus geworden?“.
Über eine Stunde redete der Hanseat mit Bad Kreuznacher Wurzeln, früherer Erster Bürgermeister von Hamburg und ehemaliges Bundestagsmitglied. Mit Blick auf die jüngste europäische Geschichte zeigte er die Scheidewege der EU nach dem zweiten Weltkrieg auf, wie etwa die Entscheidung für ein zentralisiertes Europa oder Dezentralisation. Den Versuch von „Vereinigten Staaten von Europa“ bezeichnet er als Irrweg. Europa sei nicht die USA, betonte er. Schon von seiner Geografie her gebe es in Europa klar abgegrenzte Räume mit großer Vielfalt und großen Unterschieden mit klaren nationalen Identitäten.
Großbritannien sieht Dohnanyi als „ewigen Störenfried“, der schon bei früheren Einigungsversuchen in Europa dazwischenfunkte. Er wünscht sich den Brexit, aber wollte sich nicht festlegen, ob Großbritannien von innen oder von außen gefährlicher sei.
Dohnanyi kritisierte, dass es bei der Entwicklung der EU an einem politischen Dach mangelte und – wie auch bei der Entwicklung des Euro – eher Juristen als Wirtschaftsexperten beteiligt waren. „Die Entscheidung für den Euro war richtig, die Entwicklung war falsch“, so sein Fazit.
Die Vielfalt der europäischen Staaten verhinderte den nötigen Druck von außen und erlaubte, dass sich schwache Länder immer stärker verschulden konnten und so die Spaltung Europas vorangetrieben wurde. „Fällt der Euro, fällt Europa“, so Dohnanyi und schlägt als Lösung vor, zunächst so etwas wie Staatsinsolvenzen für EU-Mitgliedsstaaten einzuführen bei gleichzeitiger Entschuldung durch Streichung von der EZB aufgekaufter Staatsanleihen. Anschließend müsse gelten: Wer Geld borge, der müsse dafür auch wieder haften. Dann ließe sich der Euro vielleicht retten.
Auch im anschließenden Gespräch diskutierte das Publikum intensiv weiter über die Entwicklungen in Europa.

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